Minsk 2001
Gliederung
- Projekt
- Programm
- Solisten
- Orchester
- Heim-statt-Tschernobyl e. V.
Projekt
Anlässlich des 15. Jahrestages des Reaktor-Unfalls in Tschernobyl am 26. April 2001 wurde im Rahmen einer Kooperation mit dem Kammerorchester der Minsker Philharmonie die Kantate Aus der Tiefen rufe ich, Herr zu Dir und die Missa in G von Johann Sebastian Bach sowie Miserere von Jan Dismas Zelenka in der Gethsemane Kirche aufgeführt.
Der Erlös des Konzertes kam ausschließlich dem in Weißrussland tätigen, gemeinnützigen Verein "Heim - statt Tschernobyl e.V." zu Gute, der sich aufopfernd um die Menschen in den hochverstrahlten Gebieten kümmert. Noch immer wohnen über zwei Millionen Menschen dort und 15 Jahre nach dem Reaktor-Unglück werden die langfristigen Folgen der Strahlenbelastung immer offensichtlicher: Missbildungen, Leukämie und Schilddrüsenkrebs sind weit verbreitet.
Dem Gedenkkonzert in der Gethsemane Kirche ging eine fünf-tägige Konzertreise nach Weißrussland voraus. Neben zwei Konzerten in der Minsker Philharmonie wurde mit oben genanntem Programm, am 21. April 2001, das Musikfestival in der Kathedrale zu Polotzk eröffnet.
Programm
Johann Sebastian Bach
Kantate: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir; BWV131
Die einzigartige musikalische Bedeutung des Bachschen Kantatenwerks wurde erst im Laufe eines langwierigen Prozesses erkannt, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Auch innerhalb des Gesamtwerks Bachs deuten Umfang und Vielfalt der geistlichen wie weltlichen Kantaten auf eine herausragende Stellung. In seiner kurzen Zeit als Organist in Mühlhausen (1707-1708), in welche auch die Kantate BWV 131 fällt, erläuterte Bach den Stadtvätern seine musikalische Zielsetzung wie folgt: diese habe den "Endzweck, nemlich eine regulirte Kirchen Music zu Gottes Ehren" zu schaffen. Bach wurde dem eigenen Anspruch gerecht: In den darauffolgenden Jahrzehnten komponierte er ein Kantatenwerk von fünf vollständigen Kirchenjahrgängen - insgesamt mehr als dreihundert Werke, von denen bedauerlicherweise nur etwa drei Fünftel erhalten bleiben. Kurze Zeit, bevor Bach seine Stelle als Organist in Mühlhausen antrat, hatte eine Feuersbrunst große Teile der Innenstadt zerstört und eine beträchtliche Anzahl von Einwohnern obdachlos gemacht. Die vielleicht früheste Komposition des großen Kantatenwerks, die Kantate BWV 131, wurde vermutlich für einen Buß- und Trauergottesdienst aus diesem Anlass geschrieben. Der sich zu Beginn des 18.Jahrhunders unter dem Einfluss der italienischen Kammerkantate und Oper abzeichnende Bedeutungswandel der Kantate schlägt sich hier noch kaum nieder. Ausschließlich Bibeltext (130.Psalm) und Choral ("Herr Jesu Christ Du höchstes Gut") bilden die Textgrundlage. Da keine Elemente freier Dichtung eingefügt wurden, enthält das Werk auch keine für die "moderne" Form der Kantate so typischen Arien oder Rezitative. Dennoch weisen besonders der symmetrische Grundaufbau und die reichhaltige Instrumentierung über das Erbe überkommener Formen, insbesondere der Motette hinaus. Beginn, Mitte und Schluss des Stückes werden jeweils durch einen Chor bestimmt. Vorangestellt wird eine orchestrale Einleitung, die motivisch auf den ersten Chor verweist und bruchlos in diesen überleitet. Als Zwischenglieder werden ein Bass- und ein Sopransolo eingefügt, begleitet von einem vokal vorgetragenen cantus firmus. Diese Verwendung einer zweiten und fünften Choralstrophe innerhalb der solistisch besetzten Binnenstücke macht ebenfalls die klare symmetrische Anlage der Kantate deutlich. Die Solosätze folgen dabei dem Typus des geringstimmigen geistlichen Konzerts. Im Zentrum steht die in langsamen Tempo gehaltene Chorfuge "meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort", eingeleitet durch ein fünftaktiges Adagio. Die reiche Instrumentierung wie auch die diesbezügliche Experimentierfreudigkeit im frühen Kantatenwerk Bachs wird in der Chorfuge, ebenso in der Schlussfuge des dritten Chors, besonders augenfällig. Eine lebhafte orchestrale Figuration überträgt Violine und Oboe, aber auch den Bratschen - die im übrigen vielfach die Funktion einer reinen harmonischen Füllstimme übernehmen - eine eigenständige Begleitung.
Missa in G; BWV 236
In dem Maße, in dem das Interesse der Nachwelt an den Kantaten im 19.Jahrhundert zunahm, verloren die vier lutherischen Messen BWV 233 - 236 mehr und mehr an Wertschätzung - eine Paradoxie in der Werkgeschichte der geistlichen Musik Bachs. Im Schatten der h-Moll-Messe, des unbestrittenen Höhepunktes der Kompositionen dieser Gattung, fielen diese kurzen Messen dem vorschnellen Urteil selbst namhafter Bachkenner zum Opfer. Die negative Wertung steht in engem Zusammenhang mit dem in den Messen ausgiebig angewandten sogenannten "Parodieverfahren": ebenso wie in den übrigen drei Messen, basieren sämtliche Teile der Messe in G-Dur BWV 236 auf älteren, bereits komponierten Kantatensätzen, die mit neuem Text versehen und umgearbeitet wurden. Albert Schweitzer urteilte mit Bezug auf die Messen, Bach habe als Hofkompositeur "Beflissenheit bezeugen" wollen. Entsprechend seien die Übertragungen "oberflächlich und zum Teil geradezu sinnlos" ausgefallen (1907), Spitta bezeichnet sie als "mechanische Arrangements" (1880). Erst in jüngerer Zeit hat man erkannt, dass es sich hier um eine eklatante Fehleinschätzung handelt. Im Gegensatz zu einer frei erdichteten Textur einer geistlichen Kantate, wo die Arbeit zum großen Teil beim Dichter lag, war für die Anpassung an den lateinischen Messetext ein hoher Arbeitsaufwand erforderlich, der wahrscheinlich über den einer Neukomposition weit hinausging. So lässt sich vermuten, dass für Bach gerade die doppelt verwandte Musik besonderen Stellenwert hatte. Wie auch die anderen drei Werke gliedert sich die G-Dur-Messe lediglich in einen Kyrie- und einen Gloria-Teil, wobei das Gloria sich wiederum aus fünf längeren Sätzen zusammensetzt. Als Vorlage für das Kyrie diente der Eingangschor der Kantate "Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei", BWV 179. Herausragend ist die besondere Gestaltung der Chorfuge des Kyrie: Erfolgt zunächst die Beantwortung des Themas in der Umkehrung, so wird durch das "Christe Eleison" ein zweites Fugenthema eingeführt und mit der ersten Fuge verschränkt. Es folgt der konzertante Satz des Gloria, dessen Teile drei weiteren geistlichen Kantaten entstammen. Zudem findet der dritte Satz der bereits für das Kyrie verwandten Kantate BWV 179, die Tenor-Arie "Falscher Heuchler Ebenbild" nun Eingang in den fünften Satz (Quoniam). Die Gestaltungsprinzipien sind im Vergleich zu den ursprünglichen Sätzen gelockert, beispielsweise beginnen die Gesangsstimmen gemeinsam mit dem eröffnenden Ritornell. Im vierten Satz, dem Duett des "Domine Deus", wird die ursprüngliche Singstimmenbesetzung von Sopran-Bass zu Sopran-Alt vertauscht. Schließlich fügt Bach, um eine Überleitung zu dem luftigen Schlusschor zu schaffen, dem sechsten Satz "Cum sancto Spiritu" eine langsame, homophone Einleitung bei. Wie diese kurzen Beispiele zeigen, erweist sich der Vorwurf einer schematischen Übertragung von der Vorlage auf die Messe als aus der Luft gegriffen.
Philipp Asmus Riecken
Jan Dismas Zelenka
Miserere c-moll; ZWV 57
Der Böhmische Komponist Jan Dismas Zelenka wurde 1679 in Launowitz geboren und wirkte ab etwa 1711 am Hofe Augusts des Starken in Dresden als Kontrabassist. Er war also Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach und es ist relativ wahrscheinlich, wenn auch nicht belegt, daß sich die beiden einmal begegnet sind. Es gibt zumindest aus Bachs Feder Abschriften von Werken Zelenkas, was zeigt, daß Bach die Musik seines Kollegen sehr schätzte. Von 1716-1719 bekam Zelenka die Möglichkeit in Wien bei Johann Joseph Fux Kontrapunkt zu studieren und vertrat dann in der Folge immer häufiger den kränkelnden Dresdener Hofkapellmeister Johann David Heinichen. Nach dessen Tod 1729 übernahm Zelenka kommissarisch dessen Aufgaben. Nachfolger wurde dann aber 1731 der junge Johann Adolf Hasse, der wohl den in Mode kommenden italienischen Geschmack besser traf. Für Zelenka muß das eine sehr schlimme Enttäuschung gewesen sein. Die Vertonung des Bußpsalmes "Miserere" von 1738 fällt in die letzte Schaffensperiode Zelenkas. Liturgisch gehört es in die Karwoche und ist für diesen Zweck ungewöhnlich umfangreich. Obwohl die einzelnen Sätze stilistisch extrem unterschiedlich sind, entsteht durch die Symmetrie der Sätze 1 und 6, sowie 2 und 5 eine geschlossene Form. Zentral ist das Miserere II, das den gesamten Psalmtext vertont. Es ist eine Parodie auf ein Orgel-Ricercar aus den "Fiori musicali" von Girolamo Frescobaldi von 1635. Der Text wird sehr in sich gekehrt, in altertümlichem Kontrapunkt vertont, die eindringlich wiederkehrenden Baßmotive gliedern den Satz. Die darauffolgende Sopranarie "Gloria Patri" ist im Charakter der Empfindsamkeit geschrieben: unterschiedliche Affekte folgen unmittelbar aufeinander und an die Solistin und das Orchester werden virtuose Anforderungen gestellt. Das anschließende Gloria Patri II für Chor steht im "perfekten" 3/2-Zeitmaß, Symbol für die Dreieinigkeit. Den Rahmen bilden Miserere I und III, die das gleiche musikalische Material verwenden. Die Affektsprache ist hier sehr drastisch, subjektiv und direkt: Oboen und Bratschen stellen mit ihrem Beben sehr naturalistisch das Wehklagen dar, und die Geigen und Celli mit ihren harten Punktierungen die Selbstgeißelung. Es ist gerade der Kontrast zwischen den einzelnen Teilen, besonders erschreckend beim Übergang vom fünften zum sechsten Satz, der dieses Stück so eindrucksvoll macht.
Ralf Sochaczewsky
Solisten
 Susanne Kirchesch - sopran
Susanne Kirchesch erhielt ihre erste musikalische Ausbildung an der Musikschule Gladbeck in den Fächern Geige, Gesang, Klavier und klassisches Ballett. Nach dem Abitur begann sie Ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler", zunächst bei Frau Prof. Brenda Mitchell und seit 1999 bei Frau Prof. Anneliese Fried. 1998 belegte sie einen Meisterkurs für Alte Musik bei Harry van der Kamps. Im Dezember 2000 sang sie im Französischen Dom Berlin die Sopranpartie in Händels Messias und im Januar dieses Jahres die Rolle der Belinda in Purcells Dido & Aeneas, einer Produktion des JEB-Berlin.
 Alexander Schneider - alt
Alexander Schneider wurde in Frankenberg/Sachsen geboren. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er im Dresdner Kreuzchor, dem er von 1987-96 angehörte. Seit Oktober ‘97 studiert er an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler", Berlin bei Peter Hermann. Er arbeitete mit dem Dresdner Kammerchor, dem Sächsischen Vocalensemble, dem Ensemble "Alte Musik Dresden" und der Lautten Compagney Berlin zusammen, sowie mit The Bach-Ensemble USA, unter der Leitung von Joshua Rifkin. Außerdem wirkte er bei diversen Rundfunk und CD-Produktionen (z.B. Heinrich Schütz "Schwanengesang" und "Alt-Leipziger Musik") mit. Alexander Schneider tritt auch als Interpret von Recitals unterschiedlicher Couleurs auf. Er gab sein vielbeachtetes Operndebut an der Neuköllner Oper Berlin, in Johann Adolf Hasses Comedia per Musica "La sorella amante".
 Sebastian Lipp - tenor
Seine erste musikalische Ausbildung erhielt Sebastian Lipp im brandenburgischen Eberswalde in den Fächern Klavier und Gesang. Nach einem Gesangsstudium an der Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler", war er von 1994-1999 als erster Tenor im Chor der Komischen Oper, Berlin angestellt. Seit 1999 ist er freischaffender Konzert- und Oratoriensänger. Zudem singt er als freier Mitarbeiter beim collegium vocale gent, beim RIAS Kammerchor, dem Rundfunkchor Berlin und dem Chor des NDR. Als erster Tenor ist Sebastian Lipp Mitglied des Atrium Ensembles, Berlin, des Lindenquartetts, Berlin und des ensemble rossingnol.
 Assaf Levitin - bass
Der 1972 in Israel geborene Sänger debütierte nach seinem Studium bei Agnes Massini an der Musikhochschule Tel Aviv am "Habima - Nationaltheater Israel". Stipendien unter anderem des Rotary Clubs Deutschland, des Amerika-Israel-Kulturfunds, der Universität des Saarlandes und des Israelischen Vokalkunstinstitutes ermöglichten dem Baßbariton, seine Gesangsausbildung in Deutschland an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater bei Prof. Yaron Windmüller zu vervollständigen. Bereits in Israel war Assaf Levitin ein gefragter Konzertsänger, und trat zudem bei Tourneen in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland auf. Er ist ein gefragter Interpret zeitgenössischer Musik: mit Aribert Reimanns "Entsorgt" gastierte er bei der Expo 2000 in Hannover, beim "world music days" Festival in Luxemburg gestaltete er Theo Brandmüllers "Löwe, leih mir deine Stimme", im Arnold-Schönberg-Zentrum Wien Schönbergs "Ode an Napoleon Bonaparte". Zahlreiche Radioaufnahmen dokumentieren Levitins Repertoire von Stradella und Bach bis zu Tobias Schwenke. 1998 gewann er den 3. Preis des Vera Rozsa-Nordell Wettbewerbs für israelische Sänger, 1999 den 2. Preis beim Walter-Gieseking-Wettbewerb. Im Paula Solomon-Lindberg Wettbewerb, 1999 war er Finalist.
Orchester
Das Staatliche Kammerorchester der Minsker Philharmonie wurde von Komponist, Organist und Dirigent Oleg Jantschenko im Jahre 1968 gegründet. Ein Jahr später wurde Juri Zirjuk, Absolvent der Belarussischen und Leningrader Konservatorien, zum künstlerischen Leiter und Chefdirigent ernannt. Im Jahre 1975 trat das Orchester mit großem Erfolg beim Internationalen Kammerorchester-Festival in Vilnjus auf. 1977 wurde ihm der Titel "Preisträger des Allunionswettbewerbs der Berufsorchester" verliehen. Es folgten Auftritte in Moskau, Sankt-Petersburg und in allen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Das künstlerische Können des Orchesters wurde auch in Großbritanien, Deutschland und Frankreich, sowie den Ländern Mitteleuropas und Skandinaviens hoch eingeschätzt. Mit ihm zusammen traten herausragende Solisten wie zum Beispiel Swjatoslaw Richter, Juri Baschmet, Mstislaw Rostoprowitsch auf. Von 1992 bis 1998 wurde das Staatliche Kammerorchester der Minsker Philharmonie von dem deutschen Dirigenten Ingo Ernst Reihl geleitet. Seit September 1999 ist der Sankt-Petersburger Dirigent und Cembalist Dmitri Subow Chefdirigent des Orchester. Bereits seit 1992 entwickelte sich diese Zusammenarbeit und es wurden unter anderem Werke von Bach, Händel, Mozart, Schubert, Strawinsky und Bartòk aufgeführt.
Dimitri Subow wurde 1959 in Leningrad geboren. Nach zehnjährigem Unterricht in der Michail-Glinka-Chorfachschule studierte er in seiner Heimatstadt Klavier, Orgel, Chor- und Orchesterdirigieren am Rimski-Korssakow-Konsavatorium. Nach dem Abschluss mit Auszeichnung 1987 arbeitete er als Dirigent des Wolgograder Symphonieorchesters. 1989 gründete Subow das Ensemble Collegium musicum Wolgograd, in dem er noch immer als Cembalist und künstlerischer Leiter tätig ist. Seit 1990 beschäftigt er sich aktiv mit der Alten Musik und deren historischer Aufführungspraxis und besuchte Meisterkurse u.a. bei Bob van Asperen, Jos van Immerseel, Ton Koopman und John Eliot Gardiner. 1993 bis 1996 studierte er Cembalo an der Musikhochschule Stuttgart bei Prof. Laukvik. Seit 1999 ist er Chefdirigent des Staatlichen Kammerorchesters der Minsker Philharmonie.
Heim-statt-Tschernobyl e. V.
"Drushnaja" - das freundschaftliche Dorf Häuser und Windkraft gegen Tschernobyl - für das Leben
Im nichtverstrahlten Norden Weißrusslands entsteht seit 1993 Drushnaja - ein einmaliges Dorf. Dreißig Häuser wurden bis jetzt aus Holz und Lehm, in Selbsthilfe und Gemeinschaftsarbeit erbaut. 25 Familien aus der verstrahlten Zone um Tschernobyl sind bisher eingezogen, schaffen sich eine neue Existenz und gewinnen neue Hoffnung.
Die Siedlung baut der deutsche Verein "Heim - statt Tschernobyl e.V. " gemeinsam mit den Umsiedler-Familien. Daran wirken viele Hände mit: Jährlich werden die Arbeiten von rund 100 Helferinnen und Helfern, Handwerkern und Laien, jungen und alten Menschen aus beiden Ländern unterstützt. So entstehen jedes Jahr in jeweils dreiwöchigen Workcamps drei bis fünf neue Häuser. Hinzu kommen infrastrukturelle Aktivitäten: Neben einem Gemeinschaftshaus, einem Werkstattgebäude und einem Arzthaus wurde auch der Bau einer orthodoxen Kirche unterstützt. 2001 soll der örtliche Kindergarten renoviert werden. Darüber hinaus werden zwei weitere Umsiedler Häuser entstehen sowie ein Niedrigenerie-Modellhaus in der Weißrussischen Hauptstadt Minsk.
Mit Unterstützung von Kirchen, Stiftungen und Gruppen, vor allem aber mit unzähligen persönlichen Spenden eines großen Freundeskreises ist dieses Projekt bisher gelungen. Auf weißrussischer und deutscher Seite beteiligen sich Menschen, die gemeinsam etwas Konkretes tun wollen für Versöhnung und globale Verantwortung, unmittelbar und unabhängig von Bürokratie und staatlichem Reglement - und doch politisch.
Auf der windigen Anhöhe oberhalb des neuen Dorfs ist im Sommer 2000 ein unübersehbares Zeichen für eine "Zukunft nach Tschernobyl" gesetzt worden: Dort steht die erste Windkraftanlage Weißrusslands. Die 250kW-Anlage speist den Strom in das öffentliche Netz ein und hilft so bei der Finanzierung zukünftiger Hausbauten. Diese erste Anlage wurde von 2.500 Einzelspendern ermöglicht, die jeweils einen Beitrag von DM 200,- leisteten. Eine zweite Windkraftanlage soll die Zukunft des Umsiedlungsprojekts weiter absichern. Dafür werden weitere 2.500 Spender gesucht. Dabei wird eine Kooperation mit weißrussischen Instituten und Firmen angestrebt, damit in Zukunft weitere Anlagen im Land selbst produziert werden können.
Die EXPO 2000 hat Drushnaja als ein Modell für beispielhafte internationale Zusammenarbeit auf Nichtregierungsebene in ihr Programm aufgenommen und als Projekt der Weltausstellung registriert.
Kontakt:
Heim - statt Tschernobyl e. V.
Bodelschwinghstr. 118
32257 Bünde
Tel.: 05223 960560; Fax.: 05223 960477
eMail: heim-statt-tschernobyl@t-online.de
URL: http://www.heimstatt-tschernobyl.com
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